Dieter Jaschkowitz
Dieter Jaschkowitz

ELEKTROLUMINISZENS FOLIE

VORBEMERKUNG

 

Anfang der Neunziger hatte ich eine große Ausstellung meiner LISA Lichtmöbel auf der Euro Shop Düsseldorf. Dort machte ich auf einem Rundgang, kurz vor Messeschluss, die vielleicht faszinierendste Entdeckung meines Lebens: lange Streifen, dünn wie Papier, welche in unterschiedlichen Farben so hell wie eine Lampe leuchteten.

 

Ich dachte zunächst an einen billigen Trick, doch es handelte sich tatsächlich um ein völlig neues Lichtmedium, dessen zufällige Entdeckung mich für mehr als zehn Jahre in seinem Bann halten sollte, und Dank der interessanten Projekte, welche ich damit verwirklichen konnte, eine Zeitlang sogar internationalen Ruhm ernten ließ.

 

 

ERSTE PERFORMANCES

 

Die Möglichkeiten der neuen Lichttechnologie waren. zu meiner eigenen Verwunderung, bislang noch von niemandem Anderen erschlossen worden, so dass nahezu alle meine Entwicklungen von dem abenteuerlichen Gefühl begleitet waren, kreatives Neuland zu erobern.

 

 Die ersten Aktionen, welche das neue Lichtmedium einem größeren Publikum bekannt machten, waren Modeschauen mit leuchtenden Phantasie-Kostümen u.a auf dem Frankfurter Museumsuferfest. Damals alles noch sehr improvisiert, und mit notdürftig unter den Kostümen versteckten, relativ großen Batteriepacks für die Stromversorgung.

 


Museumsuferfest Frankfurt

DIE GEBURT VON ANIMATED LIGHTWARE

 

Der nächste Schritt auf dem Weg zur Auslotung der vielen Möglichkeiten des neuen Lichtmediums EL, bestand in der Entwicklung einer Mikroelektronik, mit deren Hilfe sich einzelne Segmente einer Lichtfolie jeweils separat ansteuern lassen. Damit wurde es erstmals möglich, den Eindruck fließend bewegter, leuchtender Symbole oder Markenlogos zu erzeugen, wie bei einer Neonreklame auf dem Picadilly Circus, nur miniaturisiert und in ästhetisch ansprechender Weise in Promotion-Shirts oder Party-Kleidung eingearbeitet.

 

 

PLASMA LIGHT-DRUGS – HIGHLIGHT DER TECHNOCULTURE

 

Schon bald begannen die neuen PLASMA Light-Shirts ihren Siegeszug in der Technoszene. Eine Besonderheit dieser Szene bestand in der Insiderkleidung, genannt Clubware. Die Besonderheit dieser Clubware bestand in ihrer besonders hohen Verarbeitungsqualität, sehr kleiner Stückzahl, sowie die Miteinbeziehung neuer, kreativer Materialien. Dies und ein relativ hoher Verkaufspreis garantierten ein hohes Maß an Einmaligkeit und Individualität.

 

Um diesem ungeschriebenen Kodex zu entsprechen, bedurfte es einer Vielzahl unterschiedlicher Kreationen, welche nur in stark imitierter Auflage herzustellen waren und in ihrer Gestaltung dem besonderen Spirit der Szene zu entsprechen hatten. Ein wahres Mammutprojekt, wie sich aus dem hier abgebildeten Prospekt PLASMA LIGHT-DRUG X-PERIENCE leicht erahnen lässt. Vor

allem dann, wenn man gerne Alles im Alleingang aus dem Boden stampft: Ideen, Grafik Produkt-Gestaltung bis hin zur Produktion der Lightware selbst. Von der Realisierung des Prospekts ganz zu schweigen.

 

Um so größer war die Genugtuung, als irgendwann auf allen Techno-Events, die ich besuchte, zunehmend mehr Lichtshirts aus der Menge hervorleuchteten. Ich war mit PLASMA-Light zur richtigen Zeit aufgetaucht, um auf einzigartige Weise zur kulturellen Blüte der Techno-und Ravekultur beizutragen. In Sauseschritt vom begeisterten Techno-Fan zu einem Macher der Techno-Szene selbst- Halleluja, welch ein schöner Aufstieg!

Etwas zum witzigen Aspekt des Namens LIGHT-DRUGS. Die schönsten und somit auch teuersten Lightshirt-Kreationen wurden überwiegend von D.Js  während ihrer Auftritte getragen. Ging einmal ein Shirt wegen exzessiver Nutzung kaputt, so kam es nicht selten vor, dass der DJ von weither angereist kam, und mich und mein Team anflehte, sein Lichtshirt doch bitte gleich zu reparieren, koste es , was es wolle, da es dringend für einen wichtigen Event gebraucht würde. Das waren die ersten Light-Junckis, und Plasma musste also  folglich eine neue Art Licht-Droge.

 

 

 

 

 

 

 

TECHNO-LICHTSCHMUCK

 

Eine weitere Innovation, welche sich mit EL-Technologie verwirklichen ließ, war Halsschmuck mit leuchtenden Bildern und Symbolen. Teilweise auch aus verchromten Metallen und mit veränderlichen Lichtsequenzen. Überwiegend Unikate und dementsprechend auch nicht ganz billig.

EIGENER WAGEN AUF DER LOVEPARADE BERLIN

 

Anlässlich der legendären Loveparade '' Music is the Key'' Juli 1999, wurde PLASMA-Light die seltene Ehre zuteil, Mitveranstalter und damit auch Ausstatter eines der begehrten 30 Music-Trucks zu sein.

 

Es waren unbeschreiblich aufregende, um nicht zu sagen erhebende Momente, als unser Wagen in das Menschenmeer um die Siegessäule einbog (Von der Aussichtsplattform des Wagens aus einigen Metern Höhe betrachtet, scheinbar ein Meer aus unendlich vielen Köpfen).

 

Besonders ab jenem Zeitpunkt, als die unterschiedlichen Sounds der einzelnen Wagen mittels Radiosignal zu einem gemeinsamen Sound mit über einer Million Watt gebündelt wurden. Der Bass erklingt dabei plötzlich derart mächtig über dem ganzen Platz, dass man glaubt, die Luft förmlich anfassen zu können. Ein erhabenes und zugleich ekstatisches Gefühl, das alle Anwesenden überwältigt, verzaubert  und verzückt.

 

 

Das Ganze ist mehr, als die Summe seiner Teile. Menschliche Schwarm-Intelligenz? Mehr als das, Schwarm-Ekstase. Die Menge feiert sich selbst.

 

 

 

 

MAYDAY  FRANKFURT

 

LOW SPIRIT, der Veranstalter des jährlich stattfindenden, größten indoor-Technoevents, und zugleich Mitveranstalter der Loveparade. beauftragte PLASMA-Light mit der Herstellung von Jacken mit Lichtlogos für den Mayday 1995 (Festhalle Frankfurt, 16.000 Besucher). Bei dieser Gelegenheit wurden alle 50 daran beteiligten DJ's mit elektronisch animierten Lichtshirts ausgestattet.

 

Einer der Prominentesten unter Ihnen, Talla 2XLC, trug sein Lightshirt-Exemplar bereits während des Auftritts und wurde sofort von mehreren Kamerateams gleichzeitig umringt, welche das magische Lichtspektakel auf seiner Brust unbedingt aus nächster Nähe einfangen wollten. Ein unvergessliches Erlebnis und zugleich eine Sternstunde für den Erfinder der elektronisch programmierbaren Lichtkleidung.

 

 

UNION MOVE MÜNCHEN

 

Auch von dem Veranstalter des  zweitgrößten Techno Rave der Republik, dem MUNICH UNION MOVE, wurden ich mit der Gestaltung und  Produktion von Leuchtshirts mit dem offiziellen UNION MOVE-Logo beauftragt.

Lichtshirt Munich Union Move

 

 

DISPLAY  UND  PROMOTION

 

Displays mit elektronisch animierten Leuchtreklame auf Original-Flaschen. war eine weitere Entwicklung, die für großes Aufsehen sorgten. Zu meinen bekanntesten Auftraggebern gehörten  Top-Marken wie Diebels, ASOLUTE VODKA, Smirnoff oder Glen Grant.         

 

 

 

DOCUMENTA X IN KASSEL

 

Eine ganz besondere Ehre war es, das offizielle Jubiläums-T-Shirt für die 10. Documenta in Kassel gestalten und produzieren zu dürfen, selbstverständlich nicht ohne Licht.

 

 

 

LIGHTSHIRT- AUSSTELLUNGEN

 

Die allererste Ausstellung mit Techno Light-Shirts fand auf dem ersten Tunnel-Rave in Frankfurt statt.

 

Dann, einige Jahre später, in einem Eigens für Ausstellungszwecke konstruierten UFO-Rundpavillon auf dem Museumsuferfest Frankfurt, eine weitere Ausstellung. Hier wurden die gelungensten Exemplare der PLASMA Lichtshirts  als umfangreiche  Werkschau, erstmals einem großen Publikum außerhalb der Techno-Community präsentiert.

 

 

RUF NACH HOLLYWOOD

 Ohne es damals schon gewusst zu haben, war ich Mitte der Neunziger bereits  in internationalen Fachkreisen berühmt für meine Pionierarbeiten auf dem Gebiet Elektrolumineszenz, was mir zu meiner nicht geringen Überraschung 1996 einen Anruf der Hollywood Studios einbrachte. Warner Brothers übertrug mir die Aufgabe, an der Filmproduktion Batman & Robin (Mit George Clooney in der Rolle des Batman, sowie Arnold Schwarzenegger in der Rolle des Eismann) mitzuarbeiten. Dabei ging es vor allem um die Realisierung der Lichteffekte für das Bat-Motorrad und das Bat-Mobil. Von den 127 Millionen Dollar Produktionskosten ist zwar nicht sonderlich viel zu mir rüber geflossen, aber dafür durfte ich reichlich Hollywood Atmosphäre schnuppern.  

 

Das Bat-Mobil wurde übrigens weitaus strenger bewacht, als jeder Erlkönig der Autoindustrie. Ich musste jedes mal von der Security durchsucht werden und mehrere Sicherheitsschleusen durchlaufen, bevor ich zur Produktionsstätte mit dem über 10 Meter langen Fahrzeug gelangte. Es sollte mit allen Mitteln verhindert werden, dass Fotos vor der Premiere des

Films an die Öffentlichkeit gelangten.

 

 

GRAND PRIX D´ EUROVISION

Für seinen Auftritt beim Europäischen Grand Prix 2000 realisierte ich für Stefan Raab ein Outfit mit einer Vielzahl leuchtender Sterne, welche ich mittels spezieller Programmierung in ein regelrechtes Lichtfeuerwerk verwandelt habe. In den ersten Minuten des Auftritts war von dem Zauber noch nicht viel zu erahnen, da das helle Bühnenlicht dies verhinderte. Als dann aber kurz vor Ende des Auftritts (ab 2:29 min.) das komplette Licht im Saal für einige Sekunden abgeschaltet wird, reagiert das Publikum unüberhörbar mit heller Begeisterung auf das plötzliche Sternengewitter. Im wahrsten Sinne des Wortes auch eine Sternstunde für PLASMA-Lightware vor einem Millionenpublikum.

 

Und das Ganze brachte sogar noch die beste Deutsche Platzierung seit über einem Jahrzehnt ein.

 

   

 

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